RITTERKREUZTRÄGER MIT NAHKAMPFSPANGE IN GOLD

Probebiographie

 

 

 

 

Unteroffizier Fritz Jacobeit

 

* 01.03.1916 in Königsberg/Ostpreußen

+ 12.04.1990 in Oberhausen/Nordrhein-Westfalen

 

Nahkampfspange in Bronze                 unbekannt

Nahkampfspange in Silber                  unbekannt

Nahkampfspange in Gold                  15.04.1945

Ritterkreuz                                         14.03.1945

 

zuletzt 50 Nahkampftage

 

Infanteriesturmabzeichen in Silber

Verwundetenabzeichen in Schwarz

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„Zweimal degradiert!“

 

Fritz Jacobeit war ein tapferer Soldat, aber so mancher Kompaniechef oder Zugführer, der mit ihm zu tun hatte, wünschte ihn sicher in eine andere Einheit.

Obwohl seit 1937 Berufssoldat, hatte Jacobeit mit militärischer Disziplin Probleme und kam wiederholt mit Vorgesetzten und Kameraden in Konflikt. Die genauen Gründe sind nicht bekannt – von Befehlsverweigerung über Trunkenheit und Diebstahl ist alles denkbar – wurde der Ostpreuße zwischen 1942 und 1944 zumindest ein-, wahrscheinlich aber sogar zweimal, degradiert!

Von diesen schwerwiegenden Problemen abgesehen, konnte sich jeder, der Jacobeit im Kampf an seiner Seite hatte, von Glück reden. 1944, im Brennpunkt der Rückzüge aus dem Vorfeld von Leningrad durch die Staaten des Baltikum nach Ostpreußen, wuchs Jacobeit über sich hinaus und überstand besonders viele Stoßtrupps und Grabenkämpfe. An der Heimatfront, bei Gumbinnen, am Schlossberg, seiner Geburtsstadt Königsberg und auf der Halbinsel Pillau verblüffte er durch Heldenmut und Eigeninitiative und verdiente sich in den letzten Kriegswochen die beiden höchsten Auszeichnungen, die ein normaler Infanterist überhaupt erreichen konnte.

 

In seiner Jugend in einem Friseursalon beschäftigt, kehrte Fritz Jacobeit dieser für ihn ohne Zukunft erscheinenden Arbeit im Alter von 21 Jahren den Rücken und trat als Freiwilliger in die Reihen der 22er in Gumbinnen ein. Zur 1. Infanteriedivision gehörend, erlebte Jacobeit im Krieg gegen Polen schnelle und erfolgreiche Vormarschschlachten bei Rozan, Siedlce, Deblin und schließlich die Einkesselung der Hauptstadt Warschau. Unmittelbar nach der polnischen Kapitulation am 06.10.39 mit Eilzügen nach Westen verlegt – man erwartete eine westalliierte Großoffensive, welche aber ausblieb – sollte die kampfstarke Division im bevorstehenden Westfeldzug als Stoßkeil zum Einsatz kommen. Bei Beginn der Offensive „Fall Gelb“ durch Holland und Belgien in Richtung Nordfrankreich blieben den tapferen Ostpreußen jedoch anfangs nur Nachhut- und Sicherungsaufgaben, da die Heeresgruppe sich diese durch ihre Friedensausbildung und Kampferfahrung wertvolle Division als Reserve aufsparen wollte. Erst Ende Mai traten die Regimenter bei Lille gegen in festen Stellungen liegende französische Truppen an und erreichen einen Einbruch. Der Gefreite Jacobeit erwies sich zwar als tapferer Soldat, ging jedoch bei den Ordensvergaben nach dem großen Sieg leer aus, konnte sich jedoch über die Beförderung zum Unteroffizier freuen.

Als Gruppenführer war Jacobeit nun für bis zu neun Soldaten verantwortlich.

Die 1. ID bewährte sich auch im Russlandfeldzug und brach mit Unterstützung von Panzerdivisionen und enger Deckung der Luftwaffe durch sowjetische Bereitstellungen in Ostpolen. Innerhalb weniger Wochen über Schaulen und Dünaburg in Richtung Peipussee vorgedrungen, scheiterte jedoch das Vorhaben einer schnellen Besetzung von Leningrad.

Für Tapferkeit in mehreren Sturmangriffen sowie Häuserkämpfen im August 1941 mit dem EK.II sowie dem Infanteriesturmabzeichen beliehen, führte der Gruppenführer seine Leute Tag für Tag in den Einsatz. Im Gefecht war der MG-Schütze der Gruppe der „feuerstärkste“ Mann und wurde von einem MG2 mit Munition usw. versorgt. Je nach Art des Gefechtes eng aufgeschlossen oder verteilt im Einsatz, bildeten gute Gruppenführer die Stütze der Kompanie.

Im Winter 1941/42 mussten Jacobeit und seine Kameraden in festen Stellungen an der Wolchow-Front ausharren und neben Nässe und Kälte auch den wiederaufflammenden russischen Angriffswillen über sich ergehen lassen. Während den Abwehrschlachten um Leningrad, in den Wolchow-Sümpfen und an der sgn. Falschenhals-Front oft in pausenlose Abwehrkämpfe verstrickt, machten die 22er ihrem Kommandeur, Oberst Franz Scheidies, alle Ehre und bewiesen, dass die Eichenlaubverleihung an ihren Chef voll berechtigt war. Leider fand der beliebte Kommandeur im April 1942 den Tod, unmittelbar nachdem er sein geliebtes Regiment hatte verlassen müssen.

Im Frühjahr 1942 wurde eine eigens auf Leningrad angesetzte Stoßarmee der Sowjets am Wolchow eingeschlossen und in härtesten Kämpfen restlos aufgerieben. Die nächsten Monate bei Nowgorod, am Ladoga- und Tigodasee sowie im „Flaschenhals“ kosteten der Division hohe Opfer, darunter viele erfahrene Offiziere und Unteroffiziere.

Obwohl nunmehr sieben Jahre im Dienst, davon etwa 30 Monate an der Front, geriet Jacobeit jedoch wie eingangs geschildert mit der militärischen Disziplin in Konflikt und wurde von einem Feldkriegsgericht der Division zum Gefreiten degradiert.

Jacobeit blieb aufgrund seiner Erfahrung Gruppenführer und wurde später, nach besonderer Bewährung, erneut zum Unteroffizier befördert.

Doch Fritz Jacobeit wurde erneut von seinen Problemen eingeholt, kam erneut mit Vorgesetzten in Konflikt und wurde erneut angeklagt und degradiert! Nach derart vielen Dienstjahren und erfolgreichen Frontmonaten trug der Gruppenführer erneut nur die Dienstgradabzeichen eines Gefreiten...

Es ist anzunehmen, dass der unbelehrbare Querkopf eine Zeitlang in eine Frontbewährungs-Einheit oder Feldstrafgefangenen-Abteilung gesteckt, wo u.a. keine Nahkampftage angerechnet wurden. Irgendwann durfte Jacobeit zur 1. ID zurückkehren.

 

Im Jänner 1944, nach mehr als zwei Jahren an der Leningrad-Front, erreichte das Infanterieregiment 22 unter ihrem neuen Kommandeur Major Theodor Tolsdorff den Abschnitt Winniza im Süden Russlands. Der erst 35jährige Tolsdorff brachte durch sein Eichenlaub und   zahlreiche Verwundungen den Ruf eines Draufgängers mit, überzeugte seine Landser jedoch bald durch grenzenlosen Einsatz und eine gute Führungshand. Unmittelbar, nachdem das Regiment bei Mogilew nur mit Müh und Not hatte einen Rückzugsweg freikämpfen können, geriet die gesamte 1. Panzerarmee, welcher die Ostpreußen unterstellt waren, jedoch in eine riesige Umklammerungsoffensive der Roten Armee und wurden nördlich des Dnjepr eingekesselt. Während sich um ihn herum Kriegsgeschichte abspielte, die Armee durch große Initiative ihres Befehlshabers General Hube sowie die Kraft von Offizieren wie Tolsdorff gerettet wurde, zeigte auch der Gefreite Jacobeit großen Einsatz und erhielt am 16. April 1944 aus der Hand seines Bataillonskommandeurs das Eiserne Kreuz 1. Klasse.

Nach einer Auffrischung von Mensch und Material im Sommer 1944 in an Heftigkeit kaum zu überbietende Stellungs- und Rückzugsschlachten bei Wilna, Lemberg und namenlosen Dörfern in Ostpolen geraten, überstand Jacobeit hier eine Verwundung.

Ab August in die Verteidigung von Ostpreußen eingebunden, erlitten die Regimenter hier leider dermaßen hohe Verluste im Häuser- und Straßenkampf, dass die 1. ID nur noch als Divisions-Kampfgruppe geführt wurde und kurz vor der Vernichtung stand. Der Gefreite Jacobeit hatte sich indes in den letzten Monaten dermaßen bewährt, dass er bereits die Nahkampfspange in Silber trug und nunmehr – in Mitten von Grabenkämpfen, Stoßtrupps zur Entlastung der HKL, schnellen Gegenstößen und Nahkämpfen gegen russische Panzer – auf den 50. Nahkampftag zusteuerte. Als der Gruppenführer in mitten der tobenden Abwehrschlacht am Schlossberg auf eignen Entschluss hin zu einem schnellen Gegenstoß antrat und so einen feindlichen Grenadierangriff zum Scheitern brachte, erhielt Fritz Jacobeit mit 29 Jahren als einer der rangniedrigsten Soldaten der Wehrmacht am 14. März 1945 über Funk das Ritterkreuz verliehen.

Einen knappen Monat später, in letzten Stellungen der quasi vernichteten Division, unterrichtete man den tapferen Gruppenführer – zuletzt einer Kampfgruppe des ebenso beliehenen Ritterkreuzträgers Hauptmann Singer unterstellt – vom Erreichen der Nahkampfspange in Gold.

Ob Jacobeit als Träger dieser höchsten Auszeichnung der Infanterie noch aus dem der Vernichtung geweihten Umklammerung in Ostpreußen ausgeschifft bzw. ausgeflogen wurde, ist ebenso unbekannt, wie die Antwort auf die Frage, wie lange Jacobeit in Kriegsgefangenschaft verbringen musste. Nach der zweifachen Degradierung – eine schier einmalige „Leistung“ in der Geschichte des deutschen Heeres – erreichte Jacobeit nur aufgrund seiner enormen Frontbewährung nun ein drittes Mal den Rang eines Unteroffiziers.

 

Jacobeit verstarb am 12. April 1990 in Oberhausen.

 

 

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Aus Gründen des Urheberrechts sind die weiteren, im Buch gezeigten, Dokumente und Abbildungen in dieser Internet-Probebiographie nicht enthalten.

Im Falle von Jacobeit handelt es sich um:  Verleihungsurkunden, die Nahkampftagliste

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