RITTERKREUZTRÄGER MIT NAHKAMPFSPANGE IN GOLD

Probebiographie

 

 

 

 

SS-Obersturmführer Kurt Franke 

 

 

* 13.06.1915 in Wurzen/Sachsen

+ 19.01.1945 westlich von Budapest/Ungarn

 

Nahkampfspange in Bronze              09.10.1943

Nahkampfspange in Silber                20.12.1943

Nahkampfspange in Gold                 06.03.1945

Ritterkreuz                                       03.10.1943  

 

zuletzt 53 Nahkampftage

 

 

Infanteriesturmabzeichen in Bronze

Demjanskschild

Deutsches Kreuz in Gold

Verwundetenabzeichen in Silber

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„Bester Stoßtruppführer der Totenkopf-Division“

 

Nachdem der am 13. Mai 1915 als Sohn eines Tischlermeisters geborene Sachse 1935 dem militärischen Arm der SS beigetreten war, diente Scharführer Franke 1938 in einem der umstrittenen KZ-Wachverbände (die damals aber wohlgemerkt noch keine Vernichtungslager waren) und wurde als Angehöriger dieser Verbände bei Kriegsausbruch in die neue SS-Division „Totenkopf“ versetzt.

Diese vom berüchtigten Gruppenführer Theodor Eike[25] kommandierte Division war nach der eigentlichen SS-Verfügungsdivision unter Gruppenführer Hausser der zweite eigenständige Großverband der späteren Waffen-SS und brannte auf die Bewährung im Kampf. Von den Berufsgenerälen des Heeres wurde die junge Truppe belächelt.

 

Während des Frankreichfeldzuges konnten die Verfügungs- sowie die „Totenkopf“-Division die Vorurteile jedoch weitgehend widerlegen und durch handfesten Kampfgeist wiederholte Gefechtserfolge (u.a. Arras) erzielen. Kurt Franke erhielt für seine Leistungen als Zugtruppführer das Eiserne Kreuz 2. Klasse sowie für eine Splitterverletzung bereits das Verwundetenabzeichen. In den Regimentern der Division dienten zu jener Zeit auch spätere Berühmtheiten wie die zukünftigen Schwerterträger Georg Bochmann, 1940 Führer einer Panzerjägerkompanie und der Artilleriekommandeur Herrmann Prieß.

Nach der Erweiterung der SS-„Totenkopf“ zur motorisierten Infanteriedivision in Polen stationiert, stießen die Verbände unter dem Kommando der Heeresgruppe Nord im Sommer 1941 gegen die sowjetischen Grenzstellungen im Baltikum. Es folgten wochenlange Vorstöße durch Lettland, Estland und Litauen, wobei die Rote Armee große Niederlagen erlitt und sowohl die Führung, als auch die Mannschaften der Division durch die gewonnene Schlagkraft und Erfahrung nun jeder Heeresdivision gleichzusetzen war.

Unterscharführer Franke führte seine Grenadiere in hunderten Kampfeinsätzen an und sammelte erste Nahkampftage, ehe nach den harten Winterschlachten südlich von Leningrad die berühmte Kesselschlacht von Demjansk begann.

Durch eine überraschende Offensive der Roten Armee zusammen mit Divisionen des Heeres um Demjansk eingekesselt, verteidigte die SS-„Totenkopf“ ihren Frontabschnitt wochenlang mit äußerster Härte und wich keinen Meter zurück. Durch eine effektive Luftversorgung in der Lage, auch den härtesten Angriffen zu trotzen, wurde Franke nach einer erst überstandenen Splitterverletzung im Herbst nun im Kessel erneut verwundet und aufgrund der Schwere der Wunden mit einer Transportmaschine der Luftwaffe ausgeflogen. Für seinen tapferen Einsatz im Grabenkampf erhielt er im Lazarett das vom OKH gestiftete Demjanskschild überreicht, welches am Ärmel der Uniform zu tragen war.

Nachdem die tapferen Verteidiger aus Demjansk hatten ausbrechen können, wurde die geschwächte SS-„Totenkopf“ in Frankreich aufgefrischt und erst im Jänner 1943 wieder nach Russland geworfen.

Im Verband des II. SS-Panzerkorps zur Wiedereroberung von Charkow angetreten, erlebte Franke hier äußerst harte Panzer- und Infanteriekämpfe, wobei er nicht nur das EK.I erhielt, sondern als Hauptscharführer auch wiederholt als Stoßtrupp-Spezialist auffiel. Immer wieder machte er sich mit einer kleinen Schar ausgesuchter Grenadiere auf den Weg, kundschaftete den Gegner aus, vernichtete Bunker oder Pak-Stellungen, unterbrach Kabelverbindungen oder setzte vorstoßende Panzer außer Gefecht. Schon bald trug Franke die I. Stufe der Nahkampfspange.

Nachdem die Division mit Hilfe der Luftwaffe bei Jeremejawka zwei sowjetische Divisionen eingekesselt und vernichtet und nach dem Tod von Gruppenführer Eike Ritterkreuzträger Prieß das Kommando übernommen hatte, wurde die inzwischen als Elite-Verband geltende Division immer mehr zu Brennpunkteinsätzen herangezogen.

Ab August 1943 im Mius-Abschnitt kämpfend, erhöhte Franke hier sein Konto auf 30 Nahkampftage und erhielt am 20. Dezember die Silberausführung.

 

Inzwischen Zugführer in der 11. Kompanie des SS-Panzergrenadierregiments 6, wurde der tapfere Sachse von seinem Regimentskommandeur, dem späteren Eichenlaubträger Karl Ullrich, gerne als „Mann für schwierige Fälle“ eingesetzt. Mehr als einmal führte Franke einen Stoßtrupp auf direkten Befehl seines Regimentskommandeurs und traf das Ziel mit tödlicher Präzision. Als er bei einem dieser schwierigen Unternehmen an der Spitze von nur einer Schützen- sowie einer MG-Gruppe einen Brückenkopf über die Merla bilden konnte und trotz harter Angriffe des Gegners die Stellung hielt, überreichte Ullrich dem Hauptscharführer im Oktober 1943 das Ritterkreuz. Bei Merla standen der „Totenkopf“ nicht weniger als drei Garde- und drei normale Schützendivisionen der Roten Armee gegenüber!

Ebenso tapfer und erfolgreich blieb Franke in Folge bei Stalino, Poltawa und den Abwehrkämpfen an der Narew, wo er bereits die Führung der 11. Kompanie inne hatte.

Im Jänner 1944 wurde der tapfere Hauptscharführer zum Ordonanzoffizier des Bataillons ernannt, übernahm somit auch wichtige dienstliche Aufgaben und wurde so bereits auf die geplante Beförderung zum Tapferkeitsoffizier vorbereitet.

In seiner Eigenschaft als Ordonanzoffizier seines Kommandeurs tat sich Franke immer wieder besonders hervor – so am 21. März, als er an der Spitze von Meldern, Fahrern und Funkern des Stabes in einer Notlage eine Frontlücke bei Olgopol stopfte. Nur wenig später an die Spitze seiner alten 11. Kompanie zurückgekehrt, kämpfte er erfolgreich bei Kotowsk und wurde am 20. April 1944 aufgrund seiner Erfolge und großen Erfahrung zum Untersturmführer befördert. Für seine Kampfeinsätze als Ordonanzoffizier folgte das Deutsche Kreuz in Gold. Seine Landser führte der ehemalige Schlosser mit großer Übersicht und geübter Führungshand im Raum Balta-Bisrula und in Ostpolen und erlebte die Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz an seinen Divisionskommandeur Gruppenführer Prieß. Diese hohe Auszeichnung ehrte die gesamte Division „Totenkopf“. Wenig später fiel jedoch mit Hermann Buchner ein vielgeachteter Ritterkreuzträger mit Nahkampfspange in Gold im Kampfeinsatz. Das auch der unerschrockene Franke im Sommer 1944 seinen 50. Nahkampftag absolviert hatte, war beim Regiment zu diesem Zeitpunkt aufgrund nicht aufgearbeiteter Berichte nicht bekannt!

Weiterhin im Fronteinsatz, zeichnete sich Untersturmführer Franke erneut aus, als er eine durch die HKL gebrochene russische Kompanie zurückdrängte und das Loch in der Front stopfte, hierbei verlor der Gegner beinahe die komplette Kompanie sowie eine nachgeführte Pak-Gruppe.

Ende Dezember verlegte die gesamte Division zusammen mit der Elite-Division „Wiking“ nach Ungarn, um unter dem Kommando des Brillantenträgers Obergruppenführer Gille zum Entsatz für das eingekesselte Budapest anzutreten. Inzwischen Obersturmführer (09.11.44), griff Franke mit seiner Kompanie an der Spitze des Bataillons am 1. Jänner 1945 an, blieb jedoch nach wenigen Tagen im schweren Abwehrkampf liegen. In diesen Kämpfen einmal mehr zum Nahkampf angetreten, wurde Kurt Franke am 19. Jänner 1945 schwer verwundet und verstarb im Divisionslazarett Vezprem.

Erst zwei Monate später, bei Überarbeiten der entsprechenden Berichte, wurde offenkundig, dass der vierfache Vater insgesamt 53 Nahkampftage durchgestanden hatte und Franke wurde, leider nur postum, mit der „Goldenen“ ausgezeichnet.

 

 

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Aus Gründen des Urheberrechts sind die weiteren, im Buch gezeigten, Dokumente und Abbildungen in dieser Internet-Probebiographie nicht enthalten.

Im Falle von Franke handelt es sich um: komplette Nahkampftagliste, drei weitere Portraitfotos , ein Gruppenfoto

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