RITTERKREUZTRÄGER MIT NAHKAMPFSPANGE IN GOLD

Probebiographie

 

 

 

Major Franz Dutter 

 

* 24.10.1917 in Wr. Neustadt/Niederösterreich/Österreich

+ 21.11.1996 ebd.

 

Nahkampfspange in Bronze              10.05.1944

Nahkampfspange in Silber               25.05.1944

Nahkampfspange in Gold                 20.11.1944

Ritterkreuz                                        20.03.1944

 

zuletzt 58 Nahkampftage

 

Infanteriesturmabzeichen in Silber

Nennung im Ehrenblatt des Heeres

Anerkennungsurkunde des Heeres

Ärmelband Kurland, Deutsches Kreuz in Gold

Verwundetenabzeichen in Silber

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„Sohn einer traditionsreichen Militärstadt“

 

Seitdem im Jahre 1751 die Theresianische Militärakademie im niederösterreichischen Wr. Neustadt gegründet wurde, brachte diese traditionsreiche Einrichtung Generationen von österreichischen Offizieren hervor. Eine der Losungen der Akademie, entstanden aus einem Ausspruch der Gründerin Kaiserin Maria Theresia an den ersten Kommandeur, lautet auch heute noch „Mach er mit tüchtige Offiziere und rechtschaffende Männer“.

 

Franz Dutter wuchs als geborener Wiener Neustätter mit dem Ruf, dem Stellenwert und der unerreichbaren Exklusivität der Militärakademie und den vielen Uniformen in der Stadt auf. Schon als junger Mann war es sein Ziel, einmal selbst durch das große, ehrwürdige Tor gehen zu dürfen. 1937, nach einem Dienstjahr als Korporal im Infanterieregiment 1, wurde sein Traum Wirklichkeit und er wurde als Fähnrich in seine Heimatstadt versetzt. Im Jänner 1939 erhielt er seine Beförderungsurkunde zum Leutnant und übernahm einen MG-Zug in der 5. Kompanie des Infanterieregiments 2.  Die Uniform war zwar nun nicht die jahrelang erträumte, das Bundesheer hatte ja aufgehört zu existieren, aber Offiziere wie Franz Dutter waren eine wertvolle Bereicherung für die deutsche Wehrmacht.

Als Dutter im September 1939 an der Spitze seiner Männer in Polen kämpfte und an der Mlawa-Front, in Czichonow und vor Warschau große Tapferkeit an den Tag legte, erhielt er in kurzer Reihenfolge von seinem Regimentskommandeur beide Klassen des Eisernen Kreuzes überreicht. Nach drei Wochen traf die 11. Infanteriedivision, zu welcher das Regiment gehörte, auf sowjetische Truppen und stand zum ersten Mal dem zukünftigen Gegner gegenüber. Stalin hatte sich seinen Teil vom Kuchen geholt und Ostpolen vereinnahmt. Das Entstehen einer zukünftigen Krisensituation zwischen den Großmächten war vorprogrammiert.

Leutnant Dutter übernahm nach einem entsprechenden Lehrgang im Frühjahr 1940 den Pionierzug des Regiments und bewährte sich im Mai und Juni während den Offensiven gegen französische, britische und belgische Truppen. Bei Lille, Amiens, Dreux und Samur führte der Österreicher mehrmals Stoßtrupps zum Räumen von Minen und Infanteriehindernissen oder im Bunkerkampf. Die Beförderung zum Oberleutnant (01.09.40) war Lohn für seine erneuten Leistungen. Beim Regiment schätze man den jungen, ambitionierten Offizier aufgrund seines energischen Auftretens und seiner tadellosen Führungseigenschaften. Für den Ostfeldzug übernahm Dutter einige Wochen vor dem ersten Schuss die 14. Panzerjäger-Kompanie und somit die „Schwere“ des Bataillons. Seine Geschütze waren trotz ihres anfangs recht leichten Kalibers oftmals die besten Waffen gegen die Panzermassen der Russen.

Im Nordabschnitt eingesetzt, stieß die 11. ID über Schaulen, Friedrichsstadt und Wolchowstroj nach Nordosten vor, erreichte den Ladogasee und nahm an der Einschließung der Millionenstadt Leningrad teil. Am Wolchow in eine Gegenoffensive der Roten Armee verstrickt, erlebte Oberleutnant Dutter hier seine ersten Nahkampftage. Nach den harten Winterschlachten, geprägt von schwierigen Temperaturen, verschneitem Gelände und knappen Nachschub, ging die Division wieder in die Offensive und verstärkte den Druck auf die sowjetischen Truppen an der Ladoga-Front.

Seit März 1942 Chef der 5. Jäger-Kompanie (nach MG-, Pionier- und Panzerjäger-Kompanien die vierte Neuverwendung!), kam Dutter u.a. im Brückenkopf Kirischi zum Einsatz, wo er fünf Nahkampftage durchzustehen hatte und für seine Leistungen am 9. Oktober das Deutsche Kreuz in Gold erhielt. Im zweiten Kriegswinter erlitt das Regiment durch die andauernden sowjetischen Offensiven gegen den Belagerungsring von Leningrad derart hohe Verluste, dass der Oberleutnant die Führung des I. Bataillons übernehmen musste. Der einstige Theresianer behielt seine Kompanien auch in den schweren Stellungskämpfen im Griff, blieb trotz einer Splitterverwundung im Gesicht bei der Truppe, wechselte in schwieriger Lage nahtlos an die Spitze des III. Bataillons und bewährte sich aufs Neue! Wenig später wurde die vom Regimentskommandeur aufs Schärfste eingeforderte, vorgezogene Beförderung zum Hauptmann ausgesprochen.

In drei getrennten Schlachten an den Ufern des riesigen Ladogasees verbluteten ganze Divisionen beider Seiten, ohne nennenswerte Gebietsgewinne zu erzielen. Im Juli 1943 erneut verwundet, hatten tiefe Wunden im Bauch und an der Hand im Lazarett eine schwere Gelbsucht zur Folge, die Dutters Genesung weit zurückwarf. Nach seiner Rückkehr hatte der Hauptmann mit seinen Männern schwere Monate im Leningrad-Abschnitt Puschkin zu überstehen – im Jänner 1944 konnte einen erneuter sowjetischer Angriff abgeriegelt werden.

Als durch die niedrigen Temperaturen ein örtlicher Gegenangriff auf die im Peipussee liegende Insel Pirissar möglich wurde, führte Hauptmann Dutter eine Sturmkompanie über das dicke Eis(!), überrumpelte im Nahkampf einen gerade noch rechtzeitig erkannten Vorposten und besetzte anschließend im harten Kampf das kleine Eiland. Dieser Erfolg ermöglichte der 11. ID in den nächsten Kampftagen eine bessere taktische Ausgangsposition.

Am 20. März 1944 erhielt der tapfere Kommandeur für seinen Erfolg das Ritterkreuz verliehen.

Im Mai hatte man beim Regiment endlich Zeit, alte Akten und Berichte aufzuarbeiten, so dass Hauptmann Dutter nach bereits 36 erreichten Nahkampftagen in schneller Reihenfolge gleichzeitig endlich die I. und II. Stufe der Nahkampfspange erhielt. Wenig später wurde der Österreicher mit der Führung des bewährten Regiments betraut und in einen Abwehrkampf geworfen, der seines gleichen sucht. An der Narwa gemeinsam mit kampfgegerbten Einheiten der lettischen und estnischen Waffen-SS ins Gefecht geworfen, wehrten die Grenadiere der 11. ID hunderte sowjetische Grenadier-, Panzer- und Artillerieangriffe ab. Pausenlos von Tief- und Schlachtfliegern attackiert, zahlenmäßig an Soldaten und schweren Waffen unterlegen, hielt die „Armeegruppe Narwa“ erstaunlich lange durch. Die Wucht der Roten Armee, gestärkt durch die schwer erkämpfte Befreiung von Leningrad, brach jedoch schließlich auch hier durch und ging direkt zur Sommeroffensive 1944 über.

 

Major (20.06.44) Dutter musste in den Rückzugskämpfen das führerlose Grenadierregiment 23 der Division übernehmen, gemeinsam mit seinen Offizieren so manch schwierige Situation meistern und bei Doropat drei weitere Nahkampftage durchstehen. Für seine Leistungen in diesen schweren Wochen im September 1944 zum Eichenlaub eingereicht, wurde dieser Vorschlag vom OKW zurückgestellt und schließlich in eine Nennung im Ehrenblatt des Heeres sowie der Anerkennungsurkunde des Heeres umgewandelt. Beide Auszeichnungen wurden Dutter am 17.10.44 zu teil.

In Kenntnis gesetzt wurde der bewährte Regimentsführer hiervon im Lazarett, wo er sich von seiner dritten Verwundung (Arm und Hüfte) erholte.

Im Herbst stand die Division an der Libau-Front, wurde mit der Heeresgruppe Nord nach Kurland abgedrängt und hier eingekesselt. Als Kommandeur des Grenadierregiments 44, nur noch wenige hundert Mann stark, kämpfte Dutter in vier Kurland-Schlachten und sammelte bei Kontsu, Reola, Doropat, Musas und Lääniste seine Nahkampftage 40 bis 58.

Am 22. November 1944 erhielt der Regimentsführer als einer der ranghöchsten Offiziere die höchste infanteristische Auszeichnung verliehen. Die härtesten Nahkämpfe, sage und schreibe 14 an der Zahl, hatte der Major allesamt im August zu überstehen gehabt, meist dem Kommando der SS-Freiwilligen-Brigade „Nederland“ unterstellt.

Der Übergabe durch Generaloberst Guderian in Berlin musste Dutter aufgrund der schwierigen Frontlage jedoch fernbleiben. Ebenfalls im November wurde der Durchhaltewillen der ganzen Division durch die Eichenlaubverleihung an den Kommandeur Generalleutnant Reymann gewürdigt. Schon einmal, 1943, war die „Elch“-Division von einem Träger dieser hohen Auszeichnung kommandiert wurden, von Siegfried Thomaschki. Männer vom Schlage eines Franz Dutter waren stets wertvolle Stütze der Divisionskommandeure. Als im April 1945 die Lage in Kurland immer schlechter wurde, erhielt der hochdekorierte Major – er hatte sich bislang erfolgreich gegen die befohlende Versetzung an die  Infanterieschule gewehrt – strikten Befehl, sich beim Regimentsführer-Lehrgang in Halle-Gosau zu melden. Mit einem Flugzeug aus Kurland ausgeflogen, bewahrte dieser letzte Befehl seines Divisionskommandeurs den Österreicher vor der sicheren sowjetischen Gefangenschaft. In Halle-Gosau wurde dem Major am 21. April endlich seine Goldene Nahkampfspange überreicht. Schon im Mai wurde er seine Auszeichnung durch einen US-Soldaten wieder los...

 

Im Juni 1945 öffneten sich für Major a.D. Dutter die Tore in die Freiheit.

In seine Geburtsstadt Wr. Neustadt zurückgekehrt, erlebte der Veteran hier nach 1955 wieder das Kommen und Gehen der neuen, österreichischen Offiziersgeneration. Nach einer pädagogischen Ausbildung Lehrer an einer Volksschule, wechselte Dutter später an eine Hauptschule und beendete seine zweite Karriere als Direktor der Schule für Pädagogische Lehrgänge. Am 21. November 1996 verstarb Franz Dutter.

 

 

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Aus Gründen des Urheberrechts sind die weiteren, im Buch gezeigten, Dokumente und Abbildungen in dieser Internet-Probebiographie nicht enthalten.

Im Falle von Dutter handelt es sich um: komplette Nahkampftagliste, drei weitere Portraitfotos , drei Verleihungsurkunden

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